Einhorn Bobby-Luisa
Texte

Bobby-Luisa und die Trennung

Fobby lag in seinem Körbchen, es waren ein paar Tage vergangen auf der Koppel. Er hatte sich eingerichtet, er hatte vieles erkundet und es gab nicht mehr viel neues und spannendes mehr. Immer nur in die Ebene zu schauen war irgendwann auch etwas langweilig geworden – Josef konnte das, er nicht. Er lag dort und dachte nach, die Gedanken schweiften … sein Herz meldete sich, er spürte Trauer und eine Träne stand im linken Auge. Was war das? Er war doch glücklich hier, oder? Es tat noch weh, der Abschied von der Familie. Ein kalter Abschied war es gewesen. Der Abschied der eigentlich ein komplettes Missachten gewesen war, ein Übersehen werden in allem Scheidungsstreit, Hausverkauf, Umzug, Alltag über die Bühne bekommen und Kinder, die mit ihren Gefühlen auch alleine gelassen waren. Er war auch alleine gelassen worden und durfte sehen wo er blieb.

Nun war er hier, hatte zwar Josef, aber war irgendwie doch alleine. Zeit und Gelegenheit zum Verabschieden hatte er eben nicht gehabt von der Familie, halb geflüchtet war er ja und nun mit der Ruhe kam die Trauer hoch. Es tat weh und er kannte diese Ruhe einfach nicht. Meistens war ein Kind da gewesen oder wenn er den Tag über alleine zu Hause war, wusste er, dass er nachmittags sehnsüchtig erwartet wurde. Man tobte mit ihm, die Kinder knuddelten mit ihm. Wenn die Mutter alleine zu Hause war und mal Zeit hatte und auf dem Sofa lag, durfte er ab und zu auch mal mit auf’s Sofa hopsen und mit ihr kuscheln. Beim Vater nie, das war klar, aber die Mutter brauchte manchmal auch Nähe und Kuscheln. Mit den Kinder hatte sie das früher mehr gemacht, zu letzt gar nicht mehr. Zärtlichkeit zwischen den Eltern hatte er nie beobachten können, ein flüchtiger Begrüssungkuss und das war es. Er vermisste die Familie trotzdem.

Sehen so eigentlich Familien von Menschen immer aus? Fragte er sich – bei Franz wurde ja auch nur gestritten, man redet nicht mehr miteinander und die Kinder waren auch auf sich alleine gestellt. War das bei Paaren ohne Kinder genauso, dass man sich nach zehn Jahren Zusammenleben auseinander lebt – immer auseinander lebt? Gerne hätte er ein “Facebook” oder wie die Kinder das auch nannten oder einen Blog, beides eben nur für Einhörner. Dort könnte man sich austauschen. Wild lebende Einhörner waren da ja eh nicht vertreten, weil kein Zugang zu diesem “Internet”, aber die Familien-Einhörner müssen sich doch irgendwie mal austauschen. Okaayyy, das mit dem Tippen auf der Tastatur ist natürlich mit den Hufen oder der dicken Schnauze etwas schwierig, ja … Es war ja nur eine Idee gewesen. Besser wäre ein Stammtisch oder eben gemeinsame Treffen. Nur wie kommen die aus den anderen Städten dann dort hin?

Diese Idee geisterte von nun an in seinem Kopf herum … er lag in seinem Körbchen, kuschelte sich um das Kissen und ein paar Tränen flossen. Er vermisste die Familie.

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